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20. Januar 2020

Mehr Bewegung für Bewegungsmuffel

Die Zahl der übergewichtigen Kinder steigt kontinuierlich. Viele von ihnen sind kleine Bewegungsmuffel. Wie kann es Eltern und Lehrern gelingen, aus Stubenhockern kleine Sportfans werden zu lassen?

Immer mehr Kinder leiden unter Übergewicht oder einer Adipositas (krankhaftem Übergewicht). Die Ursachen liegen in einer genetischen Veranlagung, die gepaart mit Überernährung und „Unterbewegung“ aus Kindern kleine Moppelchen werden lässt. Die möglichen negativen Folgen für den Körper und die Kinderseele sind hinreichend bekannt. Neben der Umstellung der Ernährung ist die Veränderung des Bewegungsverhaltens eine der wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten. Diese so genannte Lifestyle-Modifikation kann jedoch nur gelingen, wenn möglichst viele Menschen des kindlichen Umfeldes sich beteiligen: Lehrer, Erzieher und vor allem die Eltern.

Um das Leben körperlich aktiver zu gestalten gibt es zwei Wege: mehr Bewegung im Alltag sowie mehr Sport. Besonders ein bewegterer Alltag ist leicht zu bewerkstelligen. Haben Sie ein Pfundskind? Dann gehen Sie im Geiste Ihren gemeinsamen Alltag durch und überprüfen Sie, welche Möglichkeiten Sie haben, mehr Bewegung zu integrieren. Geht Ihr Kind zu Fuß zur Schule oder fährt es mit dem Fahrrad? Nutzen Sie Treppen oder noch den Fahrstuhl? Selbst Kleinigkeiten, wie der Verzicht auf die Fernbedienung und das damit verbundene Hin- und Herlaufen zählen auf der Plus-Seite des Bewegungskontos.

Doch was tun, wenn der Sprössling beispielsweise das Gehen zum Bäcker als sterbenslangweilig empfindet? Helfen können Schrittzähl-Spiele. Vor allem bei Kindern bis zum Ende des Grundschulalters helfen derartige Ablenkungsmanöver. Wie viele Stufen hat die Treppe? Wer braucht die wenigsten Schritte von der Straßenecke bis nach Hause? Wer kann beim Warten auf den Bus am längsten auf einem Bein stehen? Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf und genießen Sie den spielerischen Umgang mit Bewegung. Sollten Ihnen die Ideen ausgehen, schnappen Sie sich ein Buch über Bewegungsspiele und lassen Sie sich inspirieren.

Im Idealfall gelingt es Ihnen, dass sich Ihr Pfundskind täglich mindestens 45 bis 60 Minuten ordentlich tobt und bewegt. Wenn Sie Ihren Bewegungsmuffel zusätzlich zum bewegteren Alltag auch noch für eine Sportart begeistern können, haben Sie sehr viel erreicht! Ideal ist hierfür jede Sportart, die dem Kind Spaß macht. Denn nur wenn ein Pfundskind Freude an Bewegung hat, wird es regelmäßig an dem entsprechenden Angebot teilnehmen. Erkundigen Sie sich bei örtlichen Sportvereinen und auch nach Sport-AGs in der Schule.

Apropos Schule: Lehrer haben einen großen Einfluss auf den Bewegungsanteil im Alltag von Kindern. Gerade im Grundschulunterricht gibt es sehr viele Möglichkeiten, mehr Bewegung zu integrieren. Beispielsweise können Kinder Buchstaben ganz sinnlich erfahren, indem diese auf den Boden gemalt und nachgegangen werden. Das Einmaleins kann hüpfend erlernt werden. Zusätzlich bieten sich etwa alle 20 bis 30 Minuten kleine Bewegungspausen an, die der Entspannung dienen, aber auch für eine Kräftigungsübung genutzt werden können. Je körperlicher Unterricht gestaltet wird, desto normaler empfindet ein Pfundskind Bewegung. Im Gegensatz zum Sport, bei dem Pfundskinder viele Misserfolge erleben, sind diese kleinen Bewegungseinheiten frei von Bewertung und Misserfolgen, da entweder die Pause oder das Erlernen neuer Dinge im Vordergrund steht.

Wer übrigens meint, Bewegung sei nur wichtig für die Therapie von Übergewicht und anderen Erkrankungen, der irrt. Bewegung ist für alle Menschen und besonders für Kinder wichtig. Verschiedene Studien belegen, dass Kinder, die sich regelmäßig austoben, bessere schulische Leistungen erbringen und seltener Unfälle haben. Sie fühlen sich wohler in ihrem Körper, sind seltener krank, stressresistenter und insgesamt selbstbewusster. Das gilt übrigens auch für Sie als Erwachsene! Machen Sie also mit, helfen Sie Ihren Pfundskindern und profitieren Sie ganz nebenbei auch davon.

Was können Eltern tun?

  • Seien Sie ein gutes Vorbild!
  • Nutzen Sie seltener das Auto, den Fahrstuhl und Rolltreppen. Kleinere Einkäufe könnten Sie auch gemeinsam zu Fuß oder mit dem Rad erledigen.
  • Lassen Sie Ihr Kind so oft wie möglich zu Fuß gehen, Fahrradfahren oder Inline Skaten. Vielleicht ist dies auch beim Schulweg möglich?
  • Planen Sie mehrmals die Woche Spielzeiten ein, in denen Sie gemeinsam toben oder Fußball spielen können.
  • Vielleicht hat der örtliche Sportverein ein passendes Angebot? Dies kann eine spezielle Pfundskinder-Stunde sein oder eine „normale“ Sportart, die Ihrem Kind Spaß macht.
  • Gestalten Sie Ihr Wochenende bewegter, indem Sie beispielsweise Ausflüge planen, eine Fahrradtour machen oder Schwimmen gehen.
  • Selbst Familienfeiern lassen sich mit Bewegung verbinden. Warum nicht gemeinsam Spazieren gehen oder Omas alte Kinderspiele ausprobieren?
  • Führen Sie ein Bewegungskonto ein. Für 30 Minuten Bewegung darf Ihr Pfundskind 15 Minuten Fernsehen, Gameboy- oder Playstationspielen.

Was können Lehrer tun?

  • Seien Sie ein gutes Vorbild!
  • Gestalten Sie Ihren Unterricht bewegter. Lassen Sie beispielsweise Laufdiktate schreiben.
  • Führen Sie regelmäßige kleine Bewegungspausen von zwei bis drei Minuten Dauer ein. Nutzen Sie diese zum Recken, Strecken, Entspannen oder für eine kleine Gleichgewichts- oder Kräftigungsübung.
  • Gestalten Sie die Schulpausen bewegter. Wie wäre es mit einem Pausen-Bolz-Turnier oder einer Bewegungskiste für alle, die Rope-Skipping-Seile, Bälle, Frisbees oder ähnliches enthalten könnte?
  • Variieren Sie Ihren Sport-Unterricht so, dass auch Pfundskinder sportliche Erfolge erfahren können. Stellen Sie vor allem in der Grundschule die Bewegungserfahrung und nicht die Bewertung in den Vordergrund.
  • Bieten Sie Sport-AGs und Sportförderunterricht an.
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