Gesunder Rücken – Haltung stärken Arne-Björn Jäger

Anatomie

Die Wirbelsäule – ein statisches und dynamisches Konstrukt

Die Wirbelsäule besteht in der Regel aus 24 Wirbel, 7 Halswirbel, 12 Brustwirbel, 5 Lendenwirbel und dem Kreuzbein mit anhängendem Steißbein. Zwischen den Wirbelkörpern sind die Bandscheiben als Zwischenwirbelscheiben. Die Bandscheiben bestehen aus Faserknorpel und wirken als druckelastisches Polster.

Die Brustwirbel bilden mit den Rippen und dem Brustbein den Brustkorb. Das Kreuzbein mit den Beckenknochen das Becken. In der vorderen Ebene verläuft die Wirbelsäule annähernd gerade, von der Seite gesehen hat sie leicht geschwungene Doppel-S-Form.
Jeder Wirbel hat einen Körper mit anschließendem Wirbelbogen. Ausnahme ist der erste Halswirbel. Dieser besteht aus einem einzigen Wirbelbogen, der mit dem knöchernen Zahn des zweiten Halswirbels eine funktionelle Einheit bildet. 
Die Wirbel werden untereinander von einem komplexen Bandsystem im Gefüge gehalten.

Die Wirbelsäule ist ein Schutzorgan für das Nervensystem und ein Stützorgan für die aufrechte Haltung.

Wachstum

Wachstum – Zunahme der Körpergröße und Körpermasse

Das Wachstum lässt sich in drei Phasen einteilen.
Erste Phase: Das Wachstum eines Neugeborenes ist in den ersten drei Jahren besonders schnell. In dieser Zeit verdoppelt sich die Körpergröße. Nach dem dritten Lebensmonat hat das Neugeborene eine sichere Kopfkontrolle. Mit dem Sitzen entwickelt sich die Lendenlordose. Ab dem ersten Lebensjahr kann ein Kind alleine gehen.

Zweite Phase: Vom dritten Lebensjahr bis zur Pubertät verlangsamt sich das Wachstum wieder, die Größenzunahme beträgt pro Jahr ca. 5 bis 6 cm und ist durch das Wachstumshormon gesteuert. Das Kind entwickelt sich die motorischen Fähigkeiten. Ab dem fünften bis sechsten Lebensjahr kann ein Kind sicher laufen. Die Körperhaltung ist stabiler, und die Muskulatur wird weiter ausgebildet.

Dritte Phase: Mit der Pubertät ist das Wachstum besonders stark. Durch die Sexualhormone gesteuert, beträgt das Körperwachstum ca. 10 cm pro Jahr. Es bilden sich auch die äußeren Geschlechtsmerkmale aus. In dieser Phase kann es besonders zum Auftreten von sogenannten Wachstumsschmerzen kommen.

Haltung

Haltung – Ein Zusammenspiel des Wirbelsäulengefüges und der Muskulatur

Die aufrechte und gerade Haltung des Menschen hat sich im Laufe der Evolution entwickelt. Durch den aufrechten Stand ist der Mensch einzigartig unter den Lebewesen. 
Die Körperhaltung ist ein aktiver Prozess im Gleichgewicht von statischen und dynamischen Faktoren. Der wesentliche statische Faktor ist das Knochengerüst der Wirbelsäule. Die anliegende Rumpfmuskulatur ist der wichtigste dynamische Faktor. 
Dazu kommt die seelische Gefühllage, die über den Muskeltonus die gesamte Haltung und Bewegung beeinflusst.

Haltung bedeutet gemäß der Definition des Orthopäden Schede Ausdruck der seelisch-körperlichen Ganzheit der Persönlichkeit und ist ein Maßstab ihrer Kraft.

Die Körperhaltung des Menschen befindet sich in einem ständigen Wechsel mit dem Ziel des Gleichgewichtszustandes zwischen körpereigen und auf den Körper einwirkenden Kräften. Die Natur strebt sowohl in Ruhe, als auch in Bewegung nach einer Balance. Dieser Zustand löst ein spürbares Wohlbefinden in uns aus.

Schäden der Wirbelsäule können durch Früherkennung vermieden werden.
Haltungsfehler mit Achsabweichung der Wirbelsäule können besonders während des Wachstums entstehen. 

Risikofaktoren der Haltungsschwäche

Risikofaktoren ‒ Erkennen der Einflüsse

Haltungsschwäche bezeichnet eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit der Rumpfmuskulatur, die zu einem Haltungsverfall führen kann. Daraus können sich strukturelle Achsabweichungen des Rumpfskelettes entwickeln.
Risikofaktoren sind längere Zwangshaltungen, fehlende oder einseitige körperliche Belastung, zu hohes Gewicht der Schulranzen, längere Handynutzung mit Nackenkrümmung und nicht größenangepasste Sitzmöbel.

Das Haltungsproblem der Schulkinder ist lange bekannt. Schon im Jahr 1951 hat die Deutsche Orthopädische Gesellschaft eine Untersuchung veröffentlicht, dass das Durchschnittsschulkind haltungsschwach ist. Daraufhin wurde das „orthopädische Schulturnen“ propagiert. Die Problematik ist aber unverändert aktuell.

Bis zum 5. Lebensjahr ist die Körperhaltung labil und wechselt häufig. Mit Erreichen des Schulalters bildet sich die Wirbelsäule mit den Schwingungen, dem angrenzenden Schulter- und Beckengürtel voll aus. Die Haltung wird stabiler. Auch die Muskulatur wird leistungsfähiger. Die einwirkenden Belastungen nehmen zu.

Die entscheidende Wachstumsphase beginnt in der Pubertät mit dem Einfluss der Geschlechtshormone. In dieser Phase sind die Entwicklung der Wirbelsäule und damit auch die Körperhaltung für Fehlentwicklungen anfällig.

Bewusste Fehlhaltung oder muskuläre Insuffizienz können zu Haltungsfehlern oder Haltungsschwächen führen, aus denen krankhafte Veränderungen entstehen.

Rückenschule

Vorbeugung der Haltungsschwäche

So bleibt der Rücken gesund.

Die wirksamste Vorsorge vor Rückenbeschwerden sind regelmäßige Übungen und körperliche Aktivität.

In der Schule soll das Sitzen dynamisch durchgeführt werden, das bedeutet, die Sitzposition alle 10 Minuten zu verändern.

Die Schultasche soll nicht schwerer als 10% des Körpergewichtes sein.

Die Rumpfmuskulatur braucht regelmäßig Training zur Kräftigung. 

Nur eine leistungsfähige und starke Muskulatur hält den Rücken gesund.

Als Beispiel sind die nachfolgenden Übungen aufgeführt, die ohne zusätzliche Geräte jederzeit in einer Unterrichtspause gemacht werden können. 

Rückenschule

So soll man sich die gesunde „Haltung bewahren“.

Durch das Wissen des Köperaufbaus, der menschlichen Entwicklung und der Gefahren für eine Fehlentwicklung erwerben sich die Schulkinder ein Problembewusstsein. Dies führt zu anhaltender Verhaltensänderung und das regelmäßige Ausführen von Mobilisations- und Kräftigungsübungen. Die Schüler sollen sich mit Freude körperlich bewegen. Sie bekommen die Einsicht, eine „starke Haltung für einen gesunden Rücken“.

So bekommt man eine starke Haltung.

Die Schulkinder erlernen in ihrer Entwicklung ein Körpergefühl und Körperverständnis. Die Geschlechtswahrnehmung beginnt in der Pubertät. Eine Köperwahrnehmung für eine gerade Haltung bildet sich aus. Dies wird durch die Betrachtung im Spiegel unterstützt. Das besorgte Einwirken der Eltern auf die Körperhaltung kann in der Pubertät auch eine gegensätzliche Handlung bewirken. Daher müssen die Schulkinder von sich heraus die Einsicht zur Bedeutung der Rückengesundheit gewinnen. Eine aufrechte Körperhaltung vermittelt ein starkes Selbstbewusstsein. Somit hat dies auch Einfluss auf die Wahrnehmung der eigenen Persönlichkeit.

Rückenschule