Dr. Hans-Peter de Jong, Orthopäde im Ruhestand, Bärbel Habermann, Leiterin Jugendamt, Gudula Kohn, Jugendamt und Netzwerkkoordinatorin Frühe Hilfen, Gerd Bohnen, Freiwilligen Forum Wülfrath, Iris Michel, Ehrenamtlerin, Wiebke Sander (vorne im Bild) Ehrenamtlerin, Kinderschuhfachverkäuferin, Jessica Jäger, Leiterin Kita Wilhelmstraße 88, Franca Calvano, Pressesprecherin. © de Jong
16. Mai 2019

BVOU unterstützt Aktionsmonat zur Fußkontrolle in Wülfrather Kitas

Wülfrath – Am 6. März startete, als Ergebnis einer Arbeitsgruppe, erstmalig die Aktion: „Kleine Füße- kleine Schuhe, große Füße- große Schuhe!“.  In allen Kitas in Wülfrath wurden innerhalb eines Monats 677 Kindern die Füße gemessen. Ziel war es zu überprüfen, ob ihre Schuhe passen. Die Maßnahme wurde vom Deutschen Schuhinstitut mit Messgeräten unterstützt. Eine weitere Unterstützung bot der BVOU, welcher Aktionsmappen mit Informationen für alle Eltern und Kinder bereithielt. Organisiert wurde der Aktionsmonat unter anderem von Dr. Hans-Peter de Jong, Facharzt für Orthopädie im Ruhestand, Beatrix Krämer, Leiterin des katholischen Kindergartens St. Joseph und Gudula Kohn, der Netzwerkkoordinatorin des Jugendamtes und Gleichstellungsbeauftragten.

Im Februar bestellten Sie beim BVOU 700 Aktionsmappen für „Zeigt her Eure Füße“. Zugegebenermaßen hat uns die hohe Anzahl überrascht. Wie ist es zu dieser großen Aktion gekommen?
Dr. Hans-Peter de Jong: Auf einer gemeinsamen Konferenz im Oktober 2018 verschiedenster Institutionen, Vereine und Verbänden, politischer Parteien und weiterer Partnerinnen und Partner zum Thema: „Für ein gesundes Aufwachsen von Kindern und für Chancengerechtigkeit – aktiv gegen Kinderarmut!“  hat sich ein Projekt Team zum Thema „Fußgesundheit“ gegründet.

Die Fußgesundheit der Kinder liegt nicht nur den Eltern, sondern den Teilnehmenden der Konferenz am Herzen.  Mit der Aktion „Kleine Füße – kleine Schuhe, große Füße- große Schuhe!“ möchte das Projektteam einen Beitrag zum gesunden Wachstum von Kinderfüßen leisten.

Vom 6. März bis 1. April fanden in den Kindertageseinrichtungen Aktionstage zur Fußgesundheit der Kinder statt. Dort erfuhren die Kinder auf spielerische Art, wie wichtig Füße für ihren Körper sind und was sie selbst für eine gesunde Entwicklung tun können.

Gudula Kohn: Seit vielen Jahren wird in verschiedensten Arbeitsgruppen das Thema „Fußgesundheit“ diskutiert. Praxisprojekte gab es dagegen noch nie. Das wollten wir ändern. Nach der von Dr. de Jong genannten Konferenz gründeten wir eine Projektgruppe, die sich aus unterschiedlicher Fachlichkeit zusammensetzt: Dr. Hans Peter de Jong als Orthopäde im Ruhestand, Thomas May, Grünen-Politiker im Stadtrat, Iris Michel, eine Interessierte Politikerin der Wählergemeinschaft WG, Beatrix Kraemer, die Leiterin der katholischen Kindertageseinrichtung St. Joseph und ich, Netzwerkkoordinatorin „Frühe Hilfen“ in der Stadt Wülfrath.

Sind Sie auf die Kitas zugegangen oder haben die Kitas sich beworben?
Kohn: Die Projektgruppe ist mit einem Anschreiben auf die Kindertageseinrichtung zugegangen und hat um Mitwirkung und Unterstützung gebeten.

Wie liefen die Aktionstage ab?
Kohn: In jeder Tageseinrichtung wurde der Fuß-Parcours eingerichtet. Am Ende des Parcours wurden die Füße des Kindes vermessen, die Schuhgröße festgestellt und mit den vorhandenen Schuhen verglichen. Die Kinder erhielten eine Urkunde mit den Daten zur eigenen Schuhgröße und die Eltern den Hinweis, ob die Schuhe noch passten zusammen mit der BVOU-Fachbroschüre zur Fußgesundheit. Eine Einverständniserklärung für die Eltern bereitete die Projektgruppe vor.

Haben Sie zusätzliche Unterstützung bei der Durchführung erhalten?
Kohn: Die Durchführung wurde über ein Team aus zehn Ehrenamtlichen sichergestellt. Hierzu wurde über das Freiwilligenforum geworben und die Helfer dann auf die Messaktion fachlich vorbereitet.

Frau Krämer, welche Notwendigkeit sehen Sie, die Kinder zum Thema Fußgesundheit aufzuklären?
Beatrix Krämer: Nach der Schulung durch Herrn Dr. Hans Peter de Jong, hielten wir es für notwendig, die Eltern ausführlich zur Fußgesundheit zu informieren. Für die Kinder sollte das Thema spielerisch angeboten werden.

Was erleben Sie während Ihrer täglichen Arbeit in den Kitas: Sind die Kinder immer mit dem passenden Schuhwerk ausgestattet?
Krämer: Nein, die Beobachtungen zeigen, dass viele Kinder mit unpassendem Schuhwerk in die Einrichtungen kommen. Dazu gehört auch die Beobachtung, dass die Schuhe nicht immer der entsprechenden Jahreszeit angepasst sind.

Wie viele Kitas nahmen denn in dem Aktionsmonat an der Aktion teil? Wie viel Zeit planen Sie für jede Aktion ein?
Kohn: Insgesamt haben zehn Wülfrather Kindertageseinrichtungen mit 677 Kindern teilgenommen. Weil in den Kindertageseinrichtungen die Füße von allen Kindern vermessen wurden, lag die Zeitdauer bei zwei bis vier Stunden. Einige Kindertageseinrichtungen hatten sogar zwei Vormittage für das Thema angesetzt.

Wie vermitteln Sie die Informationen an die Kinder?
Krämer: Am Anfang der Aktion hatte es sich bewährt, dass sich die Kinder in einen Halbkreis setzten. Die Ehrenamtlichen konnten sich persönlich vorstellen, die Kinder konnten Fragen stellen und so etwas über den menschlichen Körper und die Wichtigkeit der Fußgesundheit erfahren. Die Kinder konnten spielerisch zeigen, was die Füße alles „können“. In manchen Gruppen wurden auch ein Tanzlied oder ein Tanz angeboten.

Welche Materialien brachten Sie zusätzlich zu den BVOU-Aktionsmappen in die Kitas mit?
Dr. de Jong: Vom Deutschen Schuhinstitut GmbH in Offenbach, erhielten wir leihweise vier Fußmessgeräte, die in Einsatz gebracht wurden. Dafür waren wir sehr dankbar.

Wichtig ist, dass die vermittelten Inhalte auch die Eltern erreichen.  Wie wollen Sie das gestalten?
Krämer: Für die Eltern wurde einmalig ein großer Informationsnachmittag angeboten. Das Informationsmaterial des BVOU wurde gemeinsam mit den Urkunden für die Kinder durch die Erzieherinnen der Kindertageseinrichtungen verteilt.

Gleichzeitig mit der Elternbroschüre erhielten die Eltern auch einen Hinweis, ob die Schuhe ihres Kindes passgerecht waren. Die geschah durch eine Art Schablone. Finanzschwachen Eltern wurde ein Angebot zur Schuhbeschaffung durch das Projekt „Wülfrather Kinder in Not“ gemacht, bzw. durch einrichtungsspezifische Unterstützungsangebote sichergestellt.

Ist Ihr Aktionsmonat einmalig oder können Sie sich vorstellen, die Aufklärungskampagne regelmäßig durchzuführen?
Kohn: Diese Entscheidung soll nach Auswertung der Aktion mit allen Beteiligten erfolgen, würde mcih aber sehr freuen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Janosch Kuno, Presse BVOU

 

 

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